E_Ein wenig über unsere Oberharzer Sprache





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 E_Ein wenig über unsere Oberharzer Sprache

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Ch.undWolfgang

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BeitragThema: E_Ein wenig über unsere Oberharzer Sprache   So Feb 15 2009, 10:59

Karl-Heinrich Weidemeier (dr Farschtr) -Sankt Andreasberg

9/ Ein wenig über unsere Oberharzer Sprache.
Noch kann man sie hören unsere schöne Oberharzer Mundart, die allein auf
der Oberharzer Sprachinsel, mitten im niederdeutschen Sprachraum verbreitet
ist. Es ist nur eine ganz ganz kleine Sprachinsel, die nur etwa fünfunddreißig
Kilometer lang und höchstens zehn Kilometer breit ist. Heute wird die Mundart
nur noch in Clausthal, in Zellerfeld, in Altenau, in Wildemann, in Lautenthal, in
Sankt Andreasberg und geringfügig noch in Schulenberg gesprochen. Früher
war die Mundart auch noch in Hahnenklee und in Bad Grund zu Hause. Hier ist
sie aber bereits nicht mehr zu hören. Wie diese Sprache entstanden ist, weiß
eigentlich jeder und deswegen brauche ich darüber nichts zu sagen. Dass die
Sprache sehr nach Erzgebirge klingt, das kann man sicherlich heraushören.
1987 zur 500-Jahrfeier der Bergstadt Sankt Andreasberg hat sich einmal
jemand lehrerhaft über unserer Sprache geäußert. Der Name des Verfassers
ist mir nicht bekannt. Er schreibt in hochdeutsch: -Die Träger der Oberharzer
Mundart gehen recht eigenwillig mit der im allgemeinen Sprachgebrauch
üblichen Handhabung der 4 Fälle und den Artikeln um.- Der Verfasser hat
dabei bestimmt nicht bedacht, dass solche Regeln nur für die hochdeutsche
Sprache gelten, dass der zweite Fall (Genetiv) in unserer Mundart überhaupt
nicht in der hochdeutschen Form zu hören ist und der 1.Fall (Nominativ) in
unserer Mundart genau dem Hochdeutschen entspricht. Und nun führt er
Beispiele an, die er unsinnigerweise von der Mundart ins Hochdeutsche
überträgt und dadurch den Eindruck erweckt, die Mundart würde falsch
gesprochen. Er meint, bei den Oberharzern -fällt der Stein in den Wasser-. So
etwas würde kein Oberharzer sagen. Bei uns heißt das: -fällt dr Schtähn in
Wassr- und das ist mundartlich auch so richtig. Er meint außerdem,
eingefleischte Andreasberger -gehen der Breiten Straße rauf- oder -über der
Schulwiese- und auch dieses ist verhochdeutschte Oberharzer Mundart. Wir
sagen -mr giehn dr brähtn Schtrohß nauf- und -iewêr dr Schulwies- und das ist
in der Mundart auch völlig richtig. Er kritisiert auch, dass bekannte Frauen und
Mädchen mit "es" (hochdeutsch also Neutrum) bezeichnet werden. Dass
honorige Frauen, wie z.B. die Frau Doktor, die Großmutter und auch die Frau
Minister usw. aber mit "Sie" angesprochen werden, hat dabei offensichtlich
nicht bedacht. Dem Schreiber ist sicherlich nicht klar gewesen, dass es sich
hier um zwei verschiedene Sprachen handelt, bei denen unterschiedliche
Regeln gelten. Unsere Mundart ist die ältere und gehört zu den oberdeutschen
Sprachen, aus denen sich die hochdeutsche Sprache entwickelt hat. Kein
Mensch käme auf den Gedanken, die englische Grammatik als falsch zu
bezeichnen, weil sie nicht -so wie wir drei Artikel- sondern nur einen hat. Mit
Kritik sollte man sich darum also etwas mehr zurückhalten.

Und hierzu passt nun noch eine kleine Anekdote.
Ein neuer Lehrer war in eine Oberharzer

Schule gekommen und konnte mit der Umgangssprache seiner Schüler nichts
anfangen. Schließlich hieß es in der ganzen Stadt:

"Das soll ein Lehrer sein, der versteht ja noch nicht einmal deutsch!"
Als ihm dies bekannt wurde, kündigte er an:

"Die Oberharzer Sprache wird abgeschafft!"
Am anderen Tag schickte ein Vater seinen Sohn mit einem kleinen Gedichtchen in die Schule.


Der Lehrer studierte:
Die Harzer Sprache, sie klingt so schön, ein jeder kann sie wohl gut verstehn.
Sie hat kein "Ö" und auch kein "Ü" doch klingt sie herrlich, spät und früh.
Bist du hier fremd, dann lerne sie auch; Wenn du das nicht kannst, dann stehe niemandem im Weg.--


Ich könnte mir vorstellen, dass
sich der Lehrer danach doch noch besonnen hat.



9/ Ä habbl wos iewêr unnêrêr Ewêrhårzr Schprohch
Noch kammr sê hährn unnêrê schienê Ewêrhårzr Mundårt, diedê allähn off dr
Ewêrhårzr Schprohchinsl, mittn in dn niedêrdeitschn Schprohchraum vrbrätt is.
Es is nê gans gans klähnê Schprohchinsl, diedê bluhß finnêfndreißich Kilêmetr
lank un hechchstns zahn Kilêmetr bräht is. Heitzêtohk ward dissê Mundårt bluhß
noch in Clasthol, in Zallêrfall, in dr Altênah, in Willêmann, in Lautnthol un in
Annêrschbarrich un noch ä klä bissl in Schulnbarrich gêschprochn. Friehr wår
unnêrê Schprohch ahch noch in Håhnêklee un in Grunnê drhämm. Dortn issê
owr all vrschitt gêgangê.
Wie dissê Schprohch zêschtand gêkummê is, wess ähngdlich äjehdr un
dessrwahng mussmr do driewêr ahch nischt meh såhn. Dossê dehngt nohch
Arzgêbarrich klingt, dos kammr wull raushährn.Nennsnhunnêrtsiemêåchzich
(1987), zu dr Finnêfhunnêrt-Jåhr-Feiêr in Annêrsch-barrich, hot sich mol änêr
lährêrhaft iewêr unnêrêr Schprohch gêaißêrt. Warsch gêwahsn is, wessich nett.
Har schreibt in Huhchdeitsch: - Die Träger der Oberharzer Mundart gehen recht
eigenwillig mit der im allgemeinen Sprachgebrauch üblichen Handhabung der 4
Fälle und den Artikeln um.- Har hot dodrbei gans bêschtimmt vrgassn, doss
sechchê Rehchln bluhs allähn in dr huhchdeitsch Schprohch ibblich sänn, doss
dr zwähtê Fall (mr såht ahch Genêtiv dodrzu) in unnêrêr Mundart iewêrhaupt nett
in dr huhchdeitschn Forrêm zê hährn is un doss sich dr arschtê Fall (Nominativ)
gehngiewêr dn Huhchdeitsch iewêrhaupt nett vrännêrt. Un nu fiehrt har
Beischpielê åhn, dierêr unsinnicherwähs von dr Mundårt in dn Huhchdeitsch
iewêrsetzt un dodrdorrich dann Ähndruck arweckt, in dr Mundårt wiehr falsch
gêschprochen. Har mähnt, bei dê Ewêrhårzr -fällt der Stein in den Wasser-
wosdê owr kä Ewêrhårzr in huhchdeitsch su såhn wiehr. Bei uns -fällt dr Schtähn
in Wassr- un dos is mundårtlich ahch richtich su. Har mähnt ahch,
ähngêflähschtê Annêrschbarrichr -gehen der Breiten Straße rauf- un -über der
Schulwiese- ahch diss is vrhuhchdeitschtê Mundårt. Mir såhn -Mr giehn dr
Brähtn Schtrohß nauf- un -iewêr dr Schulwies- un gênah su issês ahch richtich.
Har bêkrittlt ahch, doss bêkanntê Frahnsleit un Mädls mit „es“ (hochdeutsch als
Neutrum) bêzähngd warn. Dossês bei honorichê Frahnsleit z.B. bei dr Frah
Doktr, bei dr Grussêmuttr, dr Ministêrn un su wättr owr ahch „Sie“ hähßt, hottr
dodrbei vrgassn zê såhn.
Dann Schreiwêr is sichrlich nett klår gêwahsn, dossês sich hie im zwäh
untrschiedlichê Schprohng hannlt, bei dann denn ahch untrschiedlichê Rehchln
galtn. Unnêrê Mundårt is dê ältêrê un hährt zu dê ewêrdeitschn Schprohng,
wudraus sich harnohchr arscht es Huhchdeitsch entwicklt hot. Kä Mensch kehm
off dann Gêdankn, dê englischê Grammatik als falsch åhnzêsahn, weilsê nett su
wie mir, drei Artikl, sunnêrn bluhß änn hot. Bei dr Kritik sulltê mr sich
dessrwahng ä bissl meh wåhrn.

Un dodrzu passt nu noch ä klähnês Traktatl.
Ä neiêr Lährêr is in nr Ewêrhårzr Schul gêkummê un kunntê mit dr

Imgangsschprohch, diedê sänê Schielêr suh vun sich gêgahn håhn, ähnfach
nischt åhnfangê. Schließlich huhßês in dr gansn Schtadt:

„Dos sull ä Lährêr sein, dar vrschtieht ju noch nettêmol deitsch!“
Wierêr diss nu schpitz krähch,
kinnichtê har åhn:

„Die Oberharzer Sprache wird abgeschafft!“
Dn annêrn Tohk

schicktê ä Vohtr sänn Jung mit änn klänn Gêdichtl in dr Schul.

Dr Lährêr schtêdiertê: Dê Hårzr Schprohch, sê klingt su schien,
äjehdr kann sê gut vrschtiehn.
Sê hot kä „ö“ un ahch kä „ü“ doch klingt sê harrlich, schpät un

frieh.
Bistê hie fremd, denn larn sê ahch;
Wenndês nett kannst, schtieh känn in Wahch!“—


Ichê kammr vierschtelln, doss sich dr Lährêr dodrnohch bêsunnê
hot.





Zuletzt von Ch.&Wolfgang am Do Jun 17 2010, 00:02 bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
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der Oderberger

Alter Harzfuchs
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BeitragThema: Harzer Platt   So Feb 15 2009, 12:53

Immer wieder köstlich...

freue mich immer wieder, wenn ich ohne Übersetzung alles verstehe. Lese also immer erst den Text in Harzer Platt und dann, wenn ich ihn nicht verstehe in Hochdeutsch.

Danke
der oderberger


Im Wald der Hirsch gewaltig röhrt und freut sich wenn er Antwort hört!


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